János Vik ThPQ 169 (2021), 255–262
 
Eine Analyse auf Existenz hin – gerade auch in der Corona-Krise
Theologische Reflexionen im Kontext der Gedankenwelt von Viktor E. Frankl
 

Worin gründet – gerade auch in der Corona-Krise – die Bejahungswürdigkeit des Lebens? In der Denktradition Viktor E. Frankls wurzelt diese in der Sinnhaftigkeit des Lebens. Die Logotherapie als sinnorientierte Therapie gründet im anthropologischen Begriff des Geistes, auf dem der Krisenbegriff der Existenzanalyse aufbaut. Lebenskrisen – somit auch die pandemiebedingten, vielfältigen und schwierigen Lebenslagen – können Dank der Geist-Dimension des Menschen „bewältigt“ werden. In der Krise ist stets der leidende Mensch, der kämpft und hadert, der diese zu bewältigen sucht, im Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Gedankenwelt von Viktor E. Frankl ermutigt die konfessionelle Seelsorge nicht nur ihre theologische Neuorientierung als Sinn-Sorge zu finden, sondern auch die Komfortzone der Glaubenswahrheiten zu verlassen, sich zum leidenden Menschen hinzubewegen und ihn in seiner Sinnfindung zu begleiten. In der Vermittlung des existenziellen Gefühls des Gehaltenseins kann der leidende Mensch den Weg des Wachsen-Könnens trotz Krise entdecken.
(Redaktion)