Stephan Wahle ThPQ 169 (2021), 46–53
 
Freiraum Fest
Chancen und Notwendigkeiten der Unterbrechung von Zeit
 

Den Alltag aufbrechende und transzendierende Unterbrechungen gelten als Frei-Räume oder Frei-Zeiten im Leben des Menschen. Sie ermöglichen ein reflektiertes Zu-Sich-Kommen, eine Selbst-Vergewisserung der anderen Art. Muße, die das Diktat der drängenden Zeit des Alltags – wenn auch nur vorübergehend – aufhebt, kann sich in dieser existenziellen Erfahrung des Menschen einstellen. Erzwungene Unterbrechungen, wie Lockdowns, aber auch die zyklisch wiederkehrenden – liturgisch gefeierten – Sonn- und Feiertage, bieten zwar die Möglichkeit, Momente der Muße zu erfahren, dies jedoch nicht notwendigerweise. So wird Muße als etwas Unverfügbares definiert. Stellt sie sich jedoch ein, so verfügt sie über Wandlungspotenzial und lebensrelevanten Ertrag. Sie ist eine Loslösung vom ständigen Zwang zur Produktion, befreit zu neuer Produktivität, aus der ein solidarisches Miteinander und eine neue Haltung zum Leben im Dienst an den Menschen erwachsen kann.
(Redaktion)