Reinhold Esterbauer ThPQ 169 (2021), 4–12
 
Warum brauchen Menschen strukturierte Zeit?
Bemerkungen zu einer leibzeitlichen Anthropologie
 

Um zu einem adäquaten Verständnis von Zeit zu gelangen, wollen auch die Wechselseitigkeit von chronometrischer Zeit und leiblicher Eigenzeit sowie interpersonale Zeit reflektiert werden. In dieser Reflexion nimmt die Bedeutung der Zeitekstasen von Vergangenheit und Zukunft durch den eigenen Leib zu. Dabei wird eine auch anthropologisch bedeutsame Diskrepanz zwischen einer objektiven Seite und einer subjektiven Seite der Zeit sichtbar. Diese Wechselseitigkeit macht eine Vorstellungsumkehr der Zeit als eines objektiven Gegenübers hin zu einem personalen Zugang als eigener Zeit wichtig und notwendig. Trotz methodischer Umkehr bleiben aber praktische Herausforderungen dieser Wechselwirkung von objektiver und subjektiver Zeit im Leben des Einzelnen präsent, die nicht nur gestaltet werden können, sondern die auch gestaltet werden müssen.
(Redaktion)