Michael Fuchs ThPQ 168 (2020), 156–162
 
Digitalisierung – Eine Zeitdiagnose
 

Ausgehend von den Ideenkreisen in Max Schelers Anthropologie werden in diesem Beitrag Gesichtspunkte eines durch die Digitalisierung veränderten „Menschenbildes“ skizziert. Zu den diesbezüglich relevanten Veränderungen zählt der Autor unter anderem, dass die Option einer radikal verlängerten Lebensspanne langsam in das Bewusstsein der gebildeten Öffentlichkeit übergeht, und zwar eben nicht nur durch biotechnologische Verfahren, sondern auch durch solche der Digitalisierung. Entwickelt werden Szenarien der Vernetzung, der Steigerung und Selbsttranszendenz sowie der Ersetzung. Vor dem Hintergrund dieser völlig unterschiedlichen Entwicklungsrichtungen erinnert der Autor an das Anliegen einer einheitlichen Idee des Menschen, auch an die Sonderstellung des Menschen, die auf dessen besonderer Form der Selbstreflexion und der Moralität beruhe. Was für die Differenz zwischen uns selbst und Individuen anderer Spezies festzuhalten ist, gelte erst recht im Verhältnis zwischen uns und unseren Erzeugnissen – und müsse auch unser Verständnis und Urteil über selbstlernende Systeme technischer Provenienz bestimmen.
(Redaktion)